Wir sind wieder zurück. Und jetzt? Beim Monopoly heißt es immer so schön: „Gehen sie zurück auf Start, gehen sie nicht über Los, ziehen Sie keine 4.000 Euro ein!“ Das gilt dann wohl auch für uns.

Wir haben unsere Wohnung vor einem Jahr gekündigt. Wir haben unsere sicheren Jobs aufgegeben. Wir haben unsere Freunde und Familien zurückgelassen um die Welt zu entdecken und unseren Traum zu verwirklichen. Aber so ist das eben wenn man im Leben etwas riskiert. Es gibt für nichts eine Garantie, aber immer neue Möglichkeiten.

Ein kurzer Rückblick – letzte Stunden in Argentinien

Tag der Rückkehr – Wir stehen früh auf, genießen unser Frühstück und packen die letzten Sachen in unsere Rucksäcke. Die Sonne scheint schon wieder und die Menschen in den Straßen sind gut gelaunt. Wir laufen zur Bus-Shuttle Station in der Nähe des Obelisk in Buenos Aires. Das Unternehmen Leon wird uns zum Flughafen bringen. Raus aus unserem großen Abendteuer. Zurück in den Alltag. Zurück nach Deutschland. Ohne Geld, ohne Job und ohne Wohnung. Eigentlich haben wir nix. Gibt es etwas auf das wir uns freuen könnten?

Das Lächeln fällt uns an diesem Morgen schwerer. Sind wir wirklich bereit zurückzukehren? Unser Tatendrang neue Menschen, Kulturen und Länder zu entdecken ist noch immer sehr groß. Plötzlich kreisen unsere Gedanken um das was vor uns liegt. Um unsere Zukunft! Dann blicken wir uns in die Augen und sind Optimistisch. Freuen uns auf unsere Familien und Freunde. Wir denken, die Erfahrung und Eindrücke kann uns keiner mehr nehmen. Wir sind nicht Arm, weil wir zurückkehren sondern Reich an Erfahrungen.

Wir checken am Flughafen ein, gehen zum Gate und steigen in den Flieger von British Airways. Mit uns viele Südamerikaner. Der lange Flug ist sehr holprig. Trotz der Möglichkeit sich auszustrecken haben wir einen sehr unruhigen Schlaf.

Zwischenlandung nach 14 Stunden in London. Alles ist anders. Wo sind nur die freundlichen, lebenslustigen und entspannten Menschen? Wir haben zum Glück nicht viel Zeit uns darüber Gedanken zu machen denn unser Weiterflug nach Stuttgart steht kurz bevor. Zwei Stunden später haben wir, nach über einem Jahr, das erste Mal wieder Deutschen Boden unter unseren Füßen.

Jetzt kullern doch die Tränen über die Wangen und dann verlassen wir mit unseren Rucksäcken den Flughafen und werden freudig von Philipp seiner Familie empfangen. Jetzt wissen wir, auf was wir uns gefreut haben.

Zurück in Deutschland

Nach einem ersten Willkommen-Wochenende, typischem Essen und vielen Geschichten heißt es aber, es wird ernst.

Nach einem Jahr sehen wir zum ersten Mal unsere Sachen wieder, uns wird schnell klar, wir haben nicht gut gepackt. Aber wir wussten auch nicht, dass wir das eine oder andere je besaßen. Es ist ein bisschen wie Shoppen. Das was man braucht, findet man nicht. Das was man findet, braucht man nicht. Irgendwie macht es trotzdem Spaß.

Unsere gesamte Energie setzen wir dahin gehend ein, zurück ins Arbeitsleben zu kommen. Die Frage die wir uns während der Reise nie gestellt haben, stellen wir uns jetzt. Kann man nach solch einer Reise einfach wieder in ein normales Leben einsteigen?

Natürlich, man kann! Wir haben Freunde und Familie aber auch berufliche Kontakte. Unser großes Glück, wir wohnen bei Philipp seinen Eltern. So ein Kinderzimmer hat nach der Rückkehr von einer Weltreise doch seinen Charme und bei den Eltern einzuziehen ist ein guter Antrieb, sich schnell um die nächsten Schritte zu kümmern.

Auf der anderen Seite müssen wir uns nach langer Zeit mal keine Gedanken darüber machen wo wir Schlafen oder was wir Essen. Aber da das nur eine Übergangslösung ist, brauchen wir jetzt schnell einen neuen Job.

Behördengänge nach einer Weltreise

Vor unserer Weltreise war die Planung und Vorbereitung sehr spannend. Nach der Reise gibt es aber auch einiges zu erledigen. Behördengänge, Jobsuche und Wohnungssuche. Wir sind gerade ein Wochenende wieder in Deutschland und es geht schon wieder los. Termine, Stress und Alltag. Wie lange wird die positive Einstellung zum Leben anhalten. Können wir diese hier in Deutschland auch umsetzen?

Arbeitsamt in Deutschland

Arbeitsamt in Deutschland

Am Tag unsere Ankunft hatte das Arbeitsamt leider schon geschlossen. Daher gingen wir direkt am Montag hin um uns Arbeitssuchend zu melden. Wir hatten zwei Wochen vor Rückkehr angerufen um zu erfragen was wir mitbringen sollen. Die Frau am Telefon bestätigte mehrfach nur den Personalausweis. Vorsorglich brachten wir aber noch unsere Kündigungsbestätigung, Gehaltszettel und Sozialversicherungsunterlagen mit. Wie sich herausstellte sehr intelligent, denn die brauchten wir.

Unsere Erstgespräche liefen sehr unterschiedlich. Auf Fragen gab es verschiedene Informationen. Was ist denn jetzt wirklich wichtig und richtig? Als wir zu Hause ankamen gab es dann noch die große Überraschung. Wir hatten unterschiedliche Unterlagen erhalten. Was müssen wir denn jetzt wirklich ausfüllen? Wir haben es nach 2 Wochen dann endlich geschafft.

Als nächstes vereinbarten wir einen Termin bei der Berechnungsstelle vom Arbeitsamt. Schließlich möchten wir wissen ab wann und wieviel Arbeitslosengeld I uns zustehen wird. Korrekt: Arbeitslosengeld I. Warum? Weil wir die letzten Jahre vor unsere Reise in einer festen Anstellung beschäftigt waren. Hierzu mussten wir unsere:

  • Arbeitsbescheinigungen vom ehemaligen Arbeitgeber anfordern (Bestätigt das sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnis und Gehalt),
  • ausgefüllten Antrag auf Arbeitslosengeld I,
  • Nachweis von der Krankenversicherung und
  • Kündigungsschreiben bei der Berechnungsstelle mit vorlegen.

Die Berechnung dauerte nur wenige Minuten. Und auch das erste Geld kam schon einige Tage später auf unsere Konten. Einem Neustart steht jetzt nichts mehr im Weg.

Die ersten Wochen unsere Arbeitssuche liefen noch etwas langsam an. Es liegt wahrscheinlich daran das, dass Jahr sich dem Ende neigt.

Wichtige Infos zur Arbeitslosengeld I (ALG I) Beantragung nach einer einjährigen Weltreise

  1. Vor Abreise 1 Tag Arbeitslos melden (damit es bei einer längeren Reise keine Diskussionen gibt und du Dir den Anspruch auf ALG I sicherst)
    1. Erworbenen Anspruch aus dem früheren Arbeitsverhältnis kannst Du innerhalb von vier Jahren noch geltend machen, dann kann man auch länger reisen
  2. Du musst mind. 1 Jahr (innerhalb der letzten zwei Jahre) sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben (=Anwartschaftszeit)
  3. Selbst gekündigt? Sperrfrist von 3 Monaten tritt ab dem ersten Tag des im Kündigungsschreiben definierten Zeitraums ein und ist nach Rückkehr abgegolten
  4. Wenn Du zurück kommst nach einem Jahr heißt es beim Nachweis von 24 Monaten sozialversicherungspflichtig Arbeit
    1. 1 Jahr – 3 Monate = 9 Monate Arbeitslosengeld
  5. Wenn Du zurück kommst nach einem Jahr heißt es beim Nachweis von 12 Monaten sozialversicherungspflichtig Arbeit
    1. 6 Monate – 3 Monate = 3 Monate Arbeitslosengeld

Was muss ich mitbringen zum Arbeitsamt um den Antrag am ersten Tag auszufüllen:

  • Kündigungsschreiben
  • Arbeitsbescheinigung
  • Versicherungsbescheinigung von der Krankenkasse

Wichtiger Hinweis zu Arbeitszeiten Nachweis in der UK: Solltest Du nicht durchgängig in Deutschland gearbeitet haben in den letzten 24 Monaten, musst du Dir z.B. bei Tätigkeit in der UK die Arbeitsbescheinigung beim HM Revenue Customs anfordern. Das macht in UK nicht der Arbeitgeber! Du benötigst dann ein Nachweise: PDU I oder E301 (National Insurance: statement of National Insurance contributions) für die Agentur für Arbeit.

Und jetzt? Die nächste Reise planen!

Während wir durch unsere 112 GB Fotos und Videos stöbern, denken wir daran wie schön es war und daran wo wir als nächstes hin reisen möchten. Die Welt hat noch so viele tolle Plätze zu bieten.

Unterwegs waren wir stärker auf das Fotografieren, statt Fotos sortieren, fokussiert. Die Fotos helfen uns das triste Winter Wetter zu vergessen, denn nach einem ganzen Jahr voller Abenteuer, neuer Kontakte, unzähligen Eindrücken, kann der „Alltag“ ganz schön deprimierend sein. Wir sind zwar zurück, aber die Sehnsucht nach der unbekannten Ferne noch immer groß. Da hilft nur eins: die nächsten Reisen planen.

In unseren nächsten Berichten widmen wir uns noch nicht abgehandelten aber interessanten Themen unserer Reise, spannenden Ländervideos und vielem mehr. Es lohnt sich also immer wieder mal vorbei zu schauen. Und solltet Ihr Fragen haben, könnt Ihr euch gerne jederzeit bei uns melden.