In Santiago de Chile kauften wir am Busbahnhof unsere Tickets um nach Valparaiso zu fahren. Die Busse fahren von zwei Terminals ab, welche sich in unmittelbarer Nähe zu Estacion de Universidad de Santiago befinden.

Es gibt sehr viele Anbieter, daher brauchten wir etwas Zeit um die Preise und die Qualität zu vergleichen. Wir fuhren für 13.000 Peso mit Condor in der „Business Class“, oder auch Salon Cama und waren sehr zufrieden. Sicher werden wir die anderen auch noch testen und können dann einen besseren Eindrück geben.

Anbieter:

  1. Pullmann
  2. Tur Bus
  3. Condor
  4. Express Norte
  5. Sur del Norte
  6. u.v.m.

Die Straßen sind in sehr gutem Zustand, alle 100 Km kommt eine Mautstelle und die Busse sind hoch modern. Einen hilfreichen Überblick gibt es hier.

Nach nur 2 Stunden Fahrt waren wir auch schon in Valapariso angekommen, und machten uns auf den Weg zur Unterkunft. Sebastian, unser Host, hat uns herzlich begrüßt und uns eine kleine Einweisung sowie einen Stadtplan mit den schönsten und wichtigsten Zielen gegeben. Natürlich alles in Spanisch, wir müssen ja schließlich noch viel lernen.

Wir machten uns auf um die Stadt, die zum Weltkulturerbe zählt, zu erkunden. Eine kleine Gasse folgte auf die Nächste. Unwahrscheinlich bunt und lebensfroh wirkt die Stadt auf uns. Es macht Spaß durch die Stadt zu flanieren und wir fühlen uns richtig wohl.

Valapariso Kunst

Valapariso Kunst

Zum Abendessen gab es dann Chorillana (Pommes, Fleisch, Zwiebeln und Käse). Die Zwiebeln fanden bei Denise keinen so großen Anklang aber ansonsten war das Essen OK. Absolut nichts für Vegetarier. Allerdings wird Denise wohl auch bald zu einem, so viel Fleisch kann auf Dauer nicht gut sein.

Zurück im Hotel lagen wir entspannt vor unserem Fernseher als plötzlich das Zimmer anfing zu wackeln. Was war das? Unser erstes spürbares Erdbeben. Mit einer beachtlichen Stärke von 5.3 wurde uns kurz mulmig im Bauch und dann war es auch schon wieder vorbei. Zum Glück auch das letzte für die Nacht.

Der 2. Tag war sonnig warm und wir erkundeten andere Cerros von Valapariso. Viele Treppen führen nach oberen und es ist sehr bunte. Graffitis an jeder Wand, Treppen oder wo man auch sonst noch drauf malen kann. Ein Cerro ist quasi ein Hügel. Das Altstadtviertel des Cerro Alegre und Cerro Concepción sind ein beliebter Wohnort von Künstlern und Studenten, was wohl auch an den vielen Bars liegt. Da die oberen Stadteile teilweise nicht mit Autos zugänglich sind gibt es in der Stadt 15 Aufzüge, sogenannte Ascensores. Diese mussten wir natürlich auch gleich ausprobieren und nach einen kurzen Ruck waren wir auch schon auf dem Weg nach unten. Für 300 Pesos pro Person (Preise variieren von Aufzug zu Aufzug) hatten wir einen kurzen Moment von Spaß.

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Zeit für Fußball

Wir fuhren nach Vina del Mare um ein Spiel der ersten Liga in Chile zu gucken. Langsam aber sicher wird es Zeit, dass wir uns auf die anstehenden Fußball Weltmeisterschaft in Brasilien einstimmen. Im Ort angekommen erfuhren wir, dass das Stadion noch im Neubau ist, da es Anfang des Monats von dem großen Erdbeben sehr stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Mit dem lokalen Bus zurück nach Valapariso und zum Stadion. Die Tickets waren unschlagbar günstig. Nur 1500 (ca. 2 Euro) Pesos pro Tickets. Dafür gab es aber auch nur Cola und Semmeln im Stadion. Vina del Mare hat 2:0 gewonnen und die Fans waren auch das gesamte Spiel über sehr gut drauf.

Zurück in der Stadt zog plötzlich eine dunkle Wolke über die Stadt. Irritiert schauten wir in den Himmel und mussten feststellen, dass es keine normale Wolke war, sondern eine Rauchwolke. Diese kam auch noch aus Richtung unseres Hotels. Wir machten uns auf den weg um die Lage zu checken.

Rauch über Valapariso 11 April 2014

Rauch über Valapariso 11 April 2014

Am Hostal angekommen, sagte Sebastian uns, dass ein Feuer ausgebrochen war. Die Sirenen der Feuerwehr waren auch nicht mehr zu überhören. Sebastian beruhigte uns mit der Tatsache, dass es noch hinter dem Hügel ist und bestimmt nicht weiter vordringt. Wie schon erwähnt sind gerade in den oberen Cerros viele Gebiete nur schwer oder gar nicht zugänglich und so hatte auch die Feuerwehr Probleme. In den Nachrichten brachten Sie ab diesem Abend nichts anderes mehr. Die Zahl der betroffenen Häuser wuchs stündlich an und war am Samstagabend schon bei über 1000.  Umso später der Abend und umso länger wir Nachrichten schauten desto unheimlich wurde es. Als dann das Feuer im Viertel über uns zu sehen war, wurde auch Sebastian komisch.

Die Nacht war schnell vorbei und am nächsten Morgen war das Feuer noch immer nicht unter Kontrolle. Fenster öffnen Fehlanzeige. Der Ascheregen war zu stark. Die gesamte Stadt war auf den Beinen. Männer mit Schaufeln, Frauen waren damit beschäftigt Wasserflaschen ein zu sammeln und diese auf zu füllen und erste Spendensammelstellen wurden eröffnet. Das haben wir uns nicht zwei Mal sagen lassen und packten im Hotel eine große Tüte mit Sachen zusammen von denen wir glaubten, dass wir diese nicht mehr benötigen. Das war zu diesem Zeitpunkt das wenigste was wir machen konnten. Die Leute in den betroffenen Cerros hatten alles verloren und bevor wir nur im Weg stehen, versuchten wir zu helfen wo es Sinn machte.

Am Nachmittag wütete das Feuer immer stärker. Die Pazifikwinde standen ungünstig und von außer Kontrolle war die Rede in den Nachrichten. Die Asche, die es vom Himmel regnete machte das Atmen schwerer und so liefen wir zur Promenade und machten einen kleinen Spaziergang, aßen Meeresfrüchte und schauten den dicken Seehunden beim Versuch auf die Ruine zu springen zu. Ein bisschen Abwechslung tat uns ganz gut.

Zurück in der Stadt wurde die Lage immer schlimmer. Menschen trugen ihr Hab und Gut unter den Armen, andere warfen Wasserflaschen in die Feuerwehrautos um die Retter, welche mittlerweile auch schon 24 Stunden auf den Beinen waren, zu unterstützen. Und andere riefen mit Spruchbändern am Auto zum Zusammenhalt der Bevölkerung auf. Die Polizei und Feuerwehr hatte Probleme bei dem dichten Verkehr die Straßen zügig zu passieren. Rettungskräfte und Ersthelfer strömten aus allen Himmelsrichtungen herbei. Wir waren sehr berührt, traurig und ängstlich zur gleichen Zeit und konnten nichts machen. Hilflosigkeit ist das schlimmste in einer solchen Situation.

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Am Sonntagabend waren schon über 2000 Häuser betroffen und es war die Rede von ca. 12 Todesopfern. Es regnete schon seit fast 20 Stunden Asche vom Himmel und mit Einbruch der Dunkelheit sah man wieder die Feuer hinter den Hügeln hoch peitschen. Über 1000 ha Land einfach zerstört. Ganze Existenzen ruiniert. Erst das schwere Beben in 2010, dann die schweren Erdbeben im Norden, die Tsunamiwarnungen an der gesamten Küste und jetzt das schlimmste Feuer der Geschichte Chiles! Was kann es noch schlimmeres geben, dass ein Mensch in kürzester Zeit erfahren kann. Wir wünschen den Leuten viel Kraft um auch dieses Drama zu überstehen.