Man entwickelt zu jedem Land, dass man zum ersten Mal in seinem Leben bereist, gewisse Bilder im Kopf. Bilder, die typischer vielleicht nicht sein könnten. Bilder, die man nur aus dem Fernsehen oder von Erzählungen kennt. Bilder, die es in der Realität, vielleicht, nicht gibt.

Nach dem Gewimmel und Gewusel in Boliviens Straßen begegnen wir im Nordwesten Argentinien einer anderen Welt. Die Sonne flimmert in der Landschaft. Weideland, Kakteen und Wüste wechseln sich ab. Man könnte glauben gleich rollt ein Strohballen über die Straße. So ruhig. Eine Magie stahlt auf uns ab. Wir denken bei jeem Meter den wir in Argentinien fahren in erster Linie an Wein, Steaks, Pferde, Farmen, Gauchos und grenzenlose Lagerfeuerromantik. Ganz schön naiv? Vielleicht! Aber während wir durch den Nordwesten fahren, bestätigen sich erste Bilder. Das wir gegen Argentinien das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft gewonnen haben, kommt uns tatsächlich erst Stunden später – und zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Zufriedenheit macht sich breit. Und eins ist auch klar, das Deutschlandtrikot bleibt erstmal in der Tasche, wir wissen ja noch nicht wie sie auf das Thema zu sprechen sind.

Wir fahren auf unserer Reise nach Salta vorbei an Rinderherden, Lamas, großen Haziendas mit tollen Anwesen. Kaum zu glauben, dass dieses schöne Land so große wirtschaftliche Probleme hat. Die Schönheit der Landschaft macht Lust auf mehr. Die Idylle hält nicht lange und die Bilder in unseren Köpfen zerplatzen wie bunte Seifenblasen als neben uns im Bus, mal wieder, ein Kind, grundlos, anfängt zu schreien. Die junge Mutter versucht alles um das Kind zu beruhigen, aber nichts, auch nicht die schönen Geschichten über die vielen Lamas helfen. Nach den Vorkommnissen in der letzten Nacht und den erfolglosen Vormittag bei den Banken waren wir uns zwar sicher, dass es heute nicht mehr schlimmer kommen kann, aber man kann sich ja auch irren.

Laut Aussage des Ticketverkäufers fahren wir direkt nach Salta. Unsere Direktreise wird in Jujuy abrupt unterbrochen. Alle Passagiere verlassen den Bus, zu diesem Zeitpunkt glauben wir noch fest daran, dass wir weiterfahren. Das laute Rufen von der Bustür fordert uns auf auszusteigen. Schnell stellt sich heraus, dass wir keinen direkten Bus gebucht haben, sondern noch 2 Stunden am Busbahnhof von Jujuy verweilen dürfen. Unser Bus endete nämlich hier. In der einzigen Bierausschenkenden Bahnhofskneipe kehren wir ein um die Zeit zu überbrücken. Die Klimaanlage funktioniert natürlich, bei über 30 Grad Außentemperatur, nicht und die einzige Bedienung macht an diesem Nachmittag auch keine großen Sprünge um uns zu Bedienen. Irgendwie verstehen wir das, es ist ja auch warm draußen. Als sie das Bier dann doch endlich bringt, ist das wenigstens eisgekühlt. wäre der Kühlschrank defekt gewesen, wäre es schlimmer gewesen.

In einem anderen Bus8nternehmen geht unsere Fahrt durch den Nordwesten Argentiniens weiter und wir sitzen oben in der 1. Reihe des Doppeldecker-Busses um die unterschiedlichen Landschaften mit unseren Augen auf zu saugen. Bei jedem Rind das am Straßenrand steht, bekommen wir einfach nur Appetit auf ein saftiges Steak und hoffen, dass wir bald in Salta sind.

Mit uns reisen Sonja und Steve aus Australien. Wie sich herausstellt sind die zwei ähnliche Lange in der Welt unterwegs. Wir hatten uns schon mal an der argentinischen Grenze getroffen, allerdings aufgrund von ihren Visaprobleme auch wieder aus den Augen verloren. Im Bus hatten wir dann sehr viel Zeit zum erzählen. Ein unerwarteten Stopp – im irgendwo – und es ging auch erstmal so schnell nicht weiter. der Fahrer musste weder Tanken, noch stieg jemand ein oder aus.

Als wir in Salta ankommen ist es bereits dunkel, wir hatten natürlich nichts vorher gebucht und auch keine Idee wohin wir gehen sollen. Wir endeten in einem Hostel das uns jemand am Bahnhof aufgeschwatzt hatte. Dank der guten Lage zum Zentrum konnten wir am nächsten Tag die Stadt besichtigen.

Siesta wird in Argentinien noch ernst genommen

Wir kennen diese erholsame und stundenlange Siesta schon aus unserer Zeit in Südamerika. Wir haben diese auch des Öfteren genutzt. Aber nirgendwo wurde die Siesta bisher so genau und konsequent gelebt wie in Argentinien. Wirklich kein Laden, egal ob Klimaanlage oder nicht, war zwischen 13.00 Uhr und 17.00 Uhr geöffnet. Man konnten nicht einmal den Versuch wagen Geld auszugeben.

Mittlerweile hatten wir zu einem besseren Kurs getauscht und fühlten uns als würden wir mit einem Koffer voller Geld am Bauch durch die Stadt laufen. Die vielen labbrigen, teils zerrissenen und klebrigen Gelscheine sind wirklich nicht schön anzusehen.

Kleine Straßenkaffees säumen sich um den Plaza, tolle alte , koloniale Gebäude zieren die Straßen und deutlich weniger Straßenverkäufer warten auf Kundschaft. Das kennen wir aus Bolivien und Peru noch anders. Die Barstraße ist gesäumt von modernen Clubs und Bars. Es ist schlagartig viel sauberer und ruhiger in Straßen und das Essen, in den hübsch eingedeckten Restaurants, sieht einfach abwechslungsreich und appetitlich aus. Käse, Salami und Oliven wandern auf braunen Holzbrettern auf die Bistrotische vor den Lokalen. Die Argentinier verstehen was davon, dass das Auge bekanntlich mit isst. Es braucht nicht lange und wir sind überzeugt, dass wir das auch genau jetzt möchten, und dazu noch eine tolle Flasche Wein.

Mittlerweile ist es auch schon 21 Uhr. Wir nehmen in einem Ecklokal Platz. Es ist eine laue Sommernacht. Wir bestellen Picadas. Eine dieser Platten belegt mit verschiedenem Käse, Aufschnitt, Oliven, Tomaten und eine Flasche Rotwein. Bis kurz nach 1.00 Uhr genießen wir das anhaltende Treiben in den Straßen von Salta. In Argentinien geht am erst spät essen und vor 2 Uhr erst gar nicht in einen Club. Wir sind also noch voll in der Zeit aber auch furchtbar Müde. Die zweite Flasche inkl. Gläser nehmen wir auf Nachfrage beim Kellner mit ins Hostel.

Salta Barstrasse Panorama

Salta Barstrasse Panorama

Am Nächsten Tag ging es dann Richtig rund. Eigentlich wollten wir weiter nach Cafayate aber das Vorhaben hatte sich nach zwei Hiobsbotschaften erst einmal erledigt. Ungewöhnlich viele Abhebungsversuche in Argentinien mussten bei der Bank in Deutschland bestätigt werden, nach drei Tagen ohne Internet mussten Beträge hin und her transferiert werden, zu allem Überfluss, haben wir es an diesem Morgen geschafft unser Konto zu sperren, und können dieses ohne Fax mit Unterschrift nicht mehr entsperren. Einen ganzen Vormittag waren wir mit diesem bürokratischen Kram blockiert. Das sind tatsächlich Themen mit denen möchte und will man sich am liebsten nicht beschäftigen. Irgendwie meint es Argentinien nicht gut mit uns. Eine weitere Nacht in Salta und am nächsten Morgen fuhren wir dann aber wirklich zum Busbahnhof und kaufen das nächst beste Ticket in den beschaulichen Weinort Cafayate.

Tipp:

Dollar in großen Noten (50er und 100er) mitbringen um diese zum “inoffiziellen” Kurs zu tauschen. Kurs-Beispiel: 12.11.2014 – 1$ = 12,8. (Offizieller Kurs: 1 : 8,4, Stand 13.11.2014)