Wir lieben Zugfahrten, aber das habt ihr sicher schon mitbekommen. Warum, das wissen wir selber nicht so genau, aber immer wenn es eine Zugstrecke gibt, fahren wir auch. Mit dem Zug zu reisen ist ein echtes Erlebnis. Der Zug fährt langsam durch die Landschaft und man bekommt tolle Einblicke.

Von La Paz fuhren wir mit dem Bus nach Oruro – ein kleinerer Ort drei Stunden südlich. Was man hier machen kann, wussten wir auch nicht aber für uns diente Oruro nur als Ausgangspunkt für eine weitere spannende Zugfahrt.

Der erste Eindruck bei der Einfahrt war eher ernüchternd. Staubige Straßen, die üblichen unverputzten Häuser, kaum ein Flecken grün und Frauen die an der Kreuzung ihr Toiletten-Geschäft verrichten. Zumindest wissen wir jetzt warum Sie Röcke tragen. Wir suchten uns eine Unterkunft. Die erste, welche wir uns ansahen, wirkte eher wie eine Absteige für Bergwerkarbeiter. Eine andere war zu teuer. Am Ende fanden wir ein nettes Hotel in der Nähe des Plaza de Armas. Sauber, gemütlich und mit Frühstück.

Das bisschen Zeit das wir hatten, nutzten wir um uns Oruro anzusehen. Die Stadt war überraschend lebendig. Viele Einkaufsmöglichkeiten säumten die Straßen. Der Markt bot alles was man braucht inklusive der typischen Küche – außer Souvenirs. Da wir noch keine Fahrkarten hatten, machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof. Allerdings gab es keine Tickets mehr direkt bis zur argentinische Grenze im selben Wagon. Es blieb uns nichts anderes übrig als zwei Tickets zu kaufen wohlbemerkt im selben Zug. Oruro nach Uyuni und Uyuni nach Villazon. Interessanterweise ist die Verbindung direkt nach Villazon günstiger. Muss man den Wagon in Uyuni wechseln, kostet es mehr. Das überraschte sogar den Ticketverkäufer.

Nach dem es so viele Läden gibt, dachten wir uns, dass wir den Vormittag vor der Abfahrt nutzen könnten um noch ein bisschen Shoppen zu gehen. Ausgerechnet an diesem Morgen fand eine über die halbe Stadt ausgedehnte Sreikwelle für bessere Arbeitsbedingungen statt. Das hatte zur Folge, dass die Straßen mit Stühlen für den Durchgangsverkehr gesperrt wurden und die Läden geschlossen blieben. Wir liefen in die Straße in der sich die gesamten Karnevals-Shops befinden. Oruro ist wohl „weltberühmt“ für seinen Straßen-Karneval im Februar. Tolle Kostüme hingen in den Schaufenstern und wir konnten uns richtig vorstellen wie es in der Karneval Saison zugeht. Eigentlich sollte der Streik um 12 Uhr beendet sein, aber viele Ladenbesitzer dachten sich wohl jetzt war eh schon den halben Tag zu, dann kann ich meinen Laden gleich geschlossen lassen. Und so gingen wir ohne Shoppingtüte zum Bahnhof.

Karneals Maske in Oruro

Karneals Maske in Oruro

Bahnhofsatmosphäre – die Schlange am Ticketschalter hält sich in Grenzen, es werden viele Fotos geschossen, einige Reisende sitzen schon seit einer halben Stunde brav auf ihrem Sitz andere eilen noch kurz vor Abfahrt in ihr Abteil. Die Koffer, Taschen und Tücher werden ähnlich wie am Flughafen an einem Schalter aufgegeben, kleine Verkaufsstände am Gleis warten auf Käufer. Uns wundert, dass keine Esel, Lamas oder sonstigen Tiere zwischen die Koffer ins Gepäckabteil rutschen. TUT…TUT. Pünktlich um 15.30 rollte dann die Diesellok mit seinen Wagons von Oruro in Richtung Süden. Argentinien wir kommen!

Denise fährt Zug

Denise fährt Zug

Schon wenige Minuten nach Verlassen der Ortschaft, schlängelt sich der Zug zwischen einer großen Lagune durch. Links und rechts gibt es nichts außer Wasser. Mittendrin, unzählige rosafarbene Flamingos. In dieser kargen und sandigen Landschaft ein Hauch von Leben.

Zugstrecke nach Villazon

Zugstrecke nach Villazon

Über eine lange Strecke hatten wir das Gefühl, neben dem Zug laufen zu können, so langsam bewegten wir uns fort. Die Gleise hatten immer wieder kleine Lücken und so klackerten wir durchs Land. Vorbei an goldgelben Steppen, Alpacas und Lamas, arbeitenden Bauern und teils trostlosen Orten mit nur zwei, drei Häusern. Aber das gefiel uns, denn wir wollten nicht mit Geschwindigkeit reisen sondern etwas sehen. Wie immer versuchten wir auch während der Zugfahrt die unbeschreiblichen Augenblicke und die Landschaft festzuhalten und schossen ein Bild nach dem anderen, die meisten Fotos sind natürlich nichts geworden. Möglicherweise lag es daran, dass unsere Kamera zu schnell sein wollte um kein Motiv zu verpassen.

Es war sehr warm im gesamten Zugabteil, und daher ließen wir die gesamte Fahrt unser Fenster geöffnet, steckten unsere Köpfe immer wieder raus um zu sehen was in der Ferne auf uns wartet, und wurden vollgestaubt. Alle paar Minuten reinigte das Zugpersonal den Gang oder verkaufte Essen und Getränke – es gab Tee und Kaffee, Empanadas und belegte Brote. Verhungern muss man hier nicht. Zum Vergleich, in den Bussen steigt alle paar Meter ein anderer Verkäufer ein und seine Waren zu verkaufen.

Wir beobachteten den Sonnenuntergang während wir durch die Wüste fuhren und kurze Zeit später schliefen wir auch schon ein. Leider war die Nacht nicht besonders erholsam, da vor uns ein Kind die halbe Nacht lautstark schrie, Wasser wollte oder sich vor lauter Weinen verschluckte und das sehr bedrohlich klang. Die Mutter hielt es aber auch nicht für nötig zum Gemeinwohl etwas dagegen zu tun.

Sonnenuntergang Zugfahrt Bolivien

Sonnenuntergang Zugfahrt Bolivien

Der Zug brauchte für die ca. 700 Kilometer fast 17 Stunden – inkl. einer kleinen ungeplanten Unterbrechung von 30 Minuten im Nirgendwo. Bis jetzt wissen wir nicht warum wir anhielten.

8.00 Uhr – Ankunft in Villazon. Es war es schon sehr warm und wir machten die letzten Souvenirkäufe bevor wir die Grenze überquerten. An der Grenze ging es nur sehr schleppend voran. Wir hatten alle Zeit der Welt den regen Warentransport oder florierenden Schmuggel zu beobachten. Mit Hubkarren liefen die Leute, wie fleißige Bienchen, von Bolivien nach Argentinien, vollgepackt und sehr beschäftigt, hinter dem Grenzhäuschen entlang. Stau! Da ist wohl jemand aus der Spur gekippt. Gott sei Dank ging es dann aber doch gleich weiter.

Aufenthalt in der Grenzstadt La Quiaca: Ohne Moos nix los.

Wir versuchten im Grenzort La Quiaca Pesos zu holen. Das sollte bei zwei Banken doch kein Problem sein. Aber es war ein Problem. Keiner der Automaten wollte uns mit unseren vier Kreditkarten auch nur einen Cent geben. Nach 3 Stunden tauschten wir zu einem halbwegs fairen Kurs 13:1 unsere ersten Dollar und fuhren mit dem Bus nach Salta.

 

Abfahrtzeiten Züge in Oruro:

Auf dieser Strecke verkehren die beiden Nachtzüge:

Expresso del Sur (etwas komfortabler)

  • Di und Fr – 15.30
  • Executive und Salaon

Wara Wara del Sur (2. Klasse)

  • Mi und So – 19.00

Preise siehe: www.fca.com.bo