Vor zwei Tagen ging es, mal wieder mit dem Bus, nach Phnom Penh in die Hauptstadt Kambodscha’s. Wir haben uns für eine Nachtfahrt entschieden, um zum einen keinen Tag zu verlieren und zum anderen eine Hotelübernachtung zu sparen. Wir konnten wählen zwischen Schlafbus (8 $) und Hotelbus (12 $). Bei der 4 $ günstigeren Variante wurden Liegesitze, Free WiFi, eine Flasche Wasser und Toilette an Board angeboten. Sparfüchse wie wir sind, haben wir uns für Variante 1 entschieden und die Tickets für den 6-stündigen Trip nach Phnom Penh gebucht.

Pünktlich um 22:45 h wurden wir von Pick-up Service an unserem Hotel abgeholt und zur Bushaltestelle gebracht. Vorbei an zwei VIP Cruiseliner-Bussen sind wir an unserem, doch schon in die Jahre gekommene Ausführung, angekommen. Naja, das konnte ja noch lustig werden, dachten wir uns, und stiegen ein. Nachdem das Gepäck verstaut war, und wir unsere Schuhe ausgezogen hatten, machten wir uns auf die Suche nach unseren „Liegeplätzen“. Diese befanden sich an der hinteren Tür im unteren Bereich.  Die Liegen hatten eine ca. 70 %ige Neigung und der Fußbereich war ca. 1,30 Meter – an ein Austrecken war also nicht zu denken. Nach mehreren Versuchen eine akzeptable Schlafposition zu finden, hat sich die Embryostellung als die einzig praktikable erwiesen. Von WiFi und Wasser war allerdings weit und breit nichts zu sehen. Fixiert in dieser Stellung startete der Bus seinen Motor. Kurz darauf verbreitete sich der Geruch von Abgasen um uns. Ekelhaft! Schnell haben wir unsere T-Shirts über die Nase gezogen, mit der Hoffnung, dass wir ohne eine Kohlenmonoxid-Vergiftung in Phnom Penh ankommen, und versucht eine Mütze Schlaf zu finden. Dies gelang leider nicht, da sich kurz nach Abfahrt die vielen Angkor Premium Beer bemerkbar machten – aber kein Problem, es sollte ja eine Toilette geben. Dort, wo sich bei einem deutschen Standard Reisebus normalerweise die Toiletten befinden, waren lediglich eine Unzahl von Reissäcken gestapelt. Na das kann ja heiter werden. Nach mehreren Nachfragen stellte sich heraus, dass die Toilette leider kaputt war. Irgendwann hielt der Bus dann am Straßenrand. Weit und breit nichts außer Sternenhimmel und Hundejaulen im Hintergrund. Endlich hatte Philipp dann die Chance sich zu erleichtern. Nach anstatt sechs, sind wir dann letztendlich nach acht Stunden, zum Glück ohne bleibende Schäden, in Phnom Penh angekommen. Gerädert von der nicht sehr erholsamen Nacht haben wir uns auf den Weg gemacht eine Unterkunft zu finden. Mit einem TukTuk fuhren wir diverse Guesthouses an und checkten die Zimmer. Echt anstrengend. Letztendlich nahmen wir für die erste Nacht das kleinere Übel und checkten im White River ein (10 $).

Visum für Vietnam in Kambodscha beantragen

Als erster Agendapunkt stand das Visum für Vietnam auf dem Plan. Leider hat sich unsere Fahrer etwas verfahren und wir landeten an der US Botschaft statt an der Vietnamesischen Botschaft. Diese war dummerweise am anderen Ende der Stadt. Dafür wollte er dann natürlich mehr Geld. Wir blieben hartnäckig, schließlich war es nicht unser Fehler. Naja nach 10 Minuten Diskussion und konsultieren von fünf anderen Fahrern fuhr er uns ans andere Ende der Stadt zur korrekten Botschaft. Dort angekommen war das Prozedere völlig unkompliziert – ab zur Botschaft, Formular ausfüllen, Passfoto und Pässe abgeben, bezahlen und am nächsten Morgen wieder abholen. Im Gegensatz zu Deutschland (ca. 70 Euro) kostetet es hier „nur“ 60 $ (ca. 45 Euro).

Independent Monument

Independent Monument

Anschließend machten wir uns auf zu Fuß auf den Rückweg (eigentlich waren im Preis von 2 $ Hin- und Rückfahrt inbegriffen), vorbei am Independent Monument und dem Königspalast spazierten wir durch Phnom Penh um weitere Unterkünfte für die folgenden zwei Nächte zu begutachten. Fündig wurden wir dann gleich ums Eck und sogar zu einem besseren Preis. Nach der ersten Nacht checkten wir gleich in der Früh in unserem neuen Domizil, dem LongLin Guesthouse, ein. Wir haben ein gutes Zimmer mit Fenster bekommen und das für nur 7$.

Emotionaler Besuch bei den Killing Fields

Mit dem TukTuk ging es dann zum Killing Field, eine von zahlreichen Gedenkstätten des Landes, welche an die Terrorherrschaft von Pol Pot in den 70iger Jahren erinnern. Diese sollte jeder Kambodschareisende besuchen. Die Geschichte ist sehr bewegend und ruft immer wieder zum Kopfschütteln auf, wie Menschen so brutal sein, und so etwas machen können. Er tötet mehr als 3 Millionen Menschen von Kambodscha in nur wenigen Jahren auf brutale Weise. Damals hatte Kambodscha nur rund 8 Millionen Einwohner. Wahllos wurden Menschen mit Brille, Intellektuelle und ganze Familien, auch Kinder, getötet. Noch heute werden alle paar Monate Zähne, Knochen und Kleidungsstücke gefunden und geprüft. Im Haupthaus sind über neun Etagen die Schädel aufgebahrt um an Toten zu erinnern. Definitiv der traurigste Ort den wir bisher gesehen haben.

Killing Fields – Phnom Penh

Killing Fields – Phnom Penh

Zurück in der Stadt, haben wir uns nach den unvergesslichen Eindrücken den Central Markt angeschaut und den Tag im „Laughin Buddah“ Restaurant ausklingen lassen. Am nächsten Morgen standen dann Mona und Jule vor unserer Zimmertür und wir haben zusammen die Stadt, u. a. den Wat Phnom erkundet. Wat Phnom liegt auf einem kleinen Hügel in der Stadt – dem einzigen wohlgemerkt. Danach ging es noch einmal zum Shoppen zum Central Markt – jetzt sind wir vier Hängematten reicher und Philipp hat ein paar graue Haare mehr, dass war aber absehbar nach einem Shopping-Tag mit uns drei Mädels. Jule und Mona besuchten noch den Königpalast, während wir uns eine tolle Fußmassage gönnten.

Wat Phnom mit Mona, Philipp un Jule

Wat Phnom mit Mona, Philipp un Jule

Central Market – Näherinnen

Central Market – Näherinnen

Central Market – Fischabteilung

Central Market – Fischabteilung

Am Abend hatten wir uns noch zu einer kleinen Kneipentour verabredet. Bei Cocktails und Bier verfolgten wir das rege Treiben in den kleinen Bars. Zum Abschluss wünschten wir uns noch: „Aber scheiß drauf – Phnom Penh ist nur einmal im Jahr“ und machten uns auf dem Weg zum Hotel. Zwei Meter vom Hotel entfernt, wurde Mona von zwei Mopedfahrern die Tasche entrissen. Mona rannte noch einige Meter hinterher und nahm die Verfolgung auf dem Rücksitz eines Motorrollers auf, aber leider ohne Erfolg. Glücklicherweise ist nichts Schlimmeres passiert, und der Verlust beschränkt sich „nur“ auf Bargeld, Zimmerschlüssel und Smartphone. Trotz vieler Wahrungen konnten wir das nicht verhindern. Also Mädels, lasst das Handtäschchen auf jeden Fall daheim, die braucht ihr hier wirklich nicht. Zurück im Zimmer gaben wir Mona unser Windows Phone damit sie über Skype ihre Familie kontaktieren konnte um alle Sperrungen zu veranlassen. Nach dem letzten Bierchen auf den Schock, ging es zu Bett bevor es morgen weiter nach Sihanoukville gehen wird – endlich ein paar Tage an den Strand.