Buenos Aires – eine quirlige Millionenmetropole mit attraktiven Stadtteilen, vielen Grünflächen, dem Atlantik vor der Nase, der breitesten Straße der Welt und vielen historischen und modernen Gebäuden. 47 Stadtviertel die alle ihre Besonderheiten besitzen. Eine Stadt mit vielen Gegensätze – laute Straßen und ruhige Parks, künstlerische Viertel und heruntergekommen Seitenstraßen, modern und traditionell. Während unseres Aufenthalts können wir nur einige unterschiedliche Facetten kennenlernen. Aber wir sind schon nach wenigen Stunden in Buenos Aires davon überzeugt, dass man (wir) in Buenos Aires gut leben könnten. Um diese Wunschgedanken zu stärken, sollten wir aber erst einmal die Stadt genauer kennenlernen.

Unsere Erkundungstour durch die argentinische Hauptstadt starten wir nur wenige Meter vom Obelisk. Unser Hotel ist einfach, aber perfekt gelegen, und der kleine Balkon lässt uns am Leben in den Straßen schon vom Zimmer aus teilhaben. Die breiteste Straße der Welt befindet sich um den Obelisk herum. Superlativen haben wir schon viele auf unserer Reise erlebt, aber eine 20-spurige Fahrbahn, die sich wie eine Schlagader durch die Stadt schlängelt, hatten wir auch noch nicht gesehen.

Broadway und Obelisk

Broadway und Obelisk

Aber ohne Pesos werden wir in Buenos Aires nicht weitkommen. Mit ein paar 100 Dollar kamen wir in an, wir hatten uns zum Glück noch in Peru eingedeckt. Der Dollar ist (zurzeit) das wohlmöglich beste Zahlungsmittel im Land des Pesos. Zudem ist die Inflation so groß, dass man mit ausländischen Devisen einfach besser lebt. In der Calle Florida befinden sich hunderte tolle Geschäfte, Fastfood Restaurants und an jeder Ecke Männer die rufen „Cambio, Cambio“. Das ist unser Zeichen. Genau das wollen wir jetzt machen. Wir fragen nach dem Kurs. 13.8! Einmal nach links und nach rechts geschaut, läuft man, wenn man den Kurs zustimmt, mit dem Verkäufer in einen Seiteneingang zu einen Büro, das von außen keine Klinke hat, um sein Geld zu tauschen. Alles wirkt sehr inoffiziell, denn auch der Dealer schaut sich um. Dann erfährt man, dass der Kurs für kleine Dollar (10er und 20er) weniger ist und dann tauscht man trotzdem, denn bei der Bank gibt es noch weniger (Stand November 2014, 8,4). Als wir fertig sind, verlassen wir das Büro und denken uns, dass wir lieber einen Geldkoffer hätten mitbringen sollen um die Peso-Scheine ins Hotel zu tragen. Für eine handvoll Dollars bekommt man sehr viele Pesos. Die Geschichten von Menschen die mit einem Aktenkoffer voller Bargeld ein Auto kaufen sind also wahr.

Weiter schlendern wir zum Plaza de Mayo, dem schönsten Platz von Buenos Aires. Von dort erreichen wir in wenigen Schritten die Catedral Metropolitana, und kurze Zeit später die Avenida de Mayo, einem prächtigen Boulevard mit eleganten Geschäften, Restaurants und Bars. Als wir das Ende der Straße erreichen, laufen wir an der Kreuzung direkt in einen kleinen Straßenmarkt mit vielen handgemachten Produkten, leckerer Wurst und Käse und Artesenal Bieren. Der westliche Charme kombiniert mit dem strahlend blauen Himmel lässt uns einfach alle Eindrücke aufsaugen. Aber auch in Buenos Aires gibt es nicht nur die schönen Seiten zu entdecken. Auch hier gibt es bettelnde Kinder am Straßenrand und Menschen die an der Armut fast zerbrechen. Zwar deutlich weniger als in anderen südamerikanischen Städten, aber immer noch genug. Die Regierung hat sogar schon Programme gestartet um z.B. die inoffiziellen Müllsucher zu legalen Arbeitern umzuwandeln. So werdet ihr, wie wir auch, immer wieder Männer und Frauen, sogenannte „Cartoneros“, mit ihren Bollerwagen durch die Straßen ziehen sehen, um das Altpapier und recyclebare Abfälle einzusammeln und somit die Stadt sauber zu halten. Sagen wir mal so, es gelingt den fleißigen Cartoneros an vielen Ecken, gäbe es nicht die Touristen.

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Ein Hafen ohne Schiffe – Puerto Madero

Puerto Medero – ein Hafen mitten in der Stadt, allerdings ohne Schiffe. Das ehemalige Hafenviertel überzeugt durch seine Architektur, Kultur, Erholungswert und hippen Bars und Restaurants. Alles was noch an den früheren Hafen erinnert ist der Rio de la Plata. Die alten Speicher und die Hafenanlagen sind heute trendige Wohneinheiten, und auch die Gleichstellung der Frau wird in diesem Stadtteil gelebt – denn die Straßen haben ausschließlich Frauennamen.

Wir spazieren die alten Hafenanlagen entlang und genießen, im Schatten der Bürogebäude und Hochhäuser, diesen jungen Stadtteil. Wir verfallen der argentinische Gelassenheit und machen unseren Abstecher nach Puerto Medero zu etwas Besonderem. Von hier aus gehen wir zum großen Park und lassen die Großstadt hinter uns. Als wir nur noch wenige Meter vom Atlantik entfernt, am steinigen Ufer, stehen wird uns klar, dass wir unserer Heimat zwar sehr nah sind, aber noch immer ganz weit weg sind. Die kleinen Segelboote am Horizont lösen in uns das große Gefühl von Freiheit aus und wir sind froh, dass wir unser Glück vor fast einem Jahr gepackt haben.

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La Boca – Touristenmagnet Caminito

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Bus „15“ in das Viertel La Boca. Früher war La Boca ein zwielichtiges Hafenviertel aber statt Matrosen und Hafenarbeitern sieht man heute Touristen und Künstler. Ein keines Künstlerviertel in welchem die Häuser nicht klassisch aus Holz oder Stein, sondern aus dem Metall von abgewrackten Schiffen erbaut wurden. Der Geschichte nach wurden die Häuser mit den farblichen Überresten von den Schiffen bestrichen und sind daher kunterbunt (Danke Patrick für die schöne Geschichte). Künstlern, Lebenskünstlern und Tänzer leben in diesem Stadtteil und geben ihm den letzten Schliff.

Bei unserem Besuch im inspirierende La Boca, und dem touristischen Caminito, fallen uns auch die vielen Tango-Bars ins Auge. Mit viel Temperament und Hingabe tanzen die talentierten Tänzer vor Cafes und Bars zu einer melancholischen Musik. Die wunderschönen Kleider und eleganten Anzüge der Tänzer unterstreichen diesen stilvollen Ausdruckstanz. Tangoschulen gibt in Buenos Aires zwar jede Menge, aber alleine beim zu sehen bekommen wir schon Probleme mit der Hüfte, den Versuch Tango zu lernen verschieben wir besser auf später.

Caminito in Buenos Aires

Caminito in Buenos Aires

Die Nebenstraßen von „Caminito” sind ebenfalls mit bunten Häuschen gesäumt, in den allerdings viele kleine Shops eingemietet sind, immer mit dem gleichen Argentinien-T-Shirts, Lederwaren oder Mate-Bechern. Zwischendrin hängen die zahlreichen Fußballtrikots des ortsansässigen Teams La Boca. Im Vergleich zu anderen Ländern in Südamerika sind hier Souvenirs allerdings sehr teuer.

Die kleine Parillada, neben den alten Gleisen, versucht uns mit den saftigen Fleischstücken, Morcillas (Blutwurst) und Chorizos zu verführen und macht Lust auf ein gutes Abendessen. Allerdings ist dafür keine Zeit. Was wir noch gemacht haben, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Eine Radtour nach Palermo

Bis heute war es uns nicht möglich ein Tandem zu leihen. Es wäre sicher lustig zu sehen, wer von uns beiden das Kommando hat. Aber wir sind ehrlich, wir haben es auch nie versucht, weil wir glücklich sind wie es ist. In Buenos Aires haben wir uns für die gelben City Bikes entschieden, denn diese sind kostenlos.

Registrierung:

Wir hatten uns fest vorgenommen alle Besichtigungen per Rad zu unternehmen. Unser Orientierungssinn sollte uns auch in dieser Großstadt nicht im Stich lassen und eine gute Karte (http://mapa.buenosaires.gov.ar) gab es gratis zum Fahrrad. wir radeln los. Der Verkehr fordert uns sehr. Auf Radler wird trotz Fahrradweg nur wenig Rücksicht genommen. Wir schlengeln uns die Sraßen entlang und sind froh, als wir endlich einen größeren Platz erreichen.

Nach einen halben Tag unter der heißen Sonne, kreuz und quer durch die Stadt, haben wir ein Picknick im Park Palermo eingeschoben. Ein Abstecher zum Cementerio de la Recoleta dürfte natürlich auch nicht fehlen. Ein Friedhof mit vielen namenhafte Persönlichkeiten von Präsidenten, Profisportlern, Wissenschaftlern bis Schauspielern. Unsere Räder gaben wir bei der Station am Teatro Colon wieder ab. Zwar mussten wir uns stündlich an einer der zahlreichen Stationen melden, aber das ist ja nicht kompliziert. Wir haben die Radtour sehr genossen und eine ganz andere Sicht auf die Stadt bekommen.

Buenos Aires – das Ausgehviertel: Las Canitas

Las Canitas war bekannt für seine Mietskasernen. Heute ist es eine gute Gegend mit Wohnhäusern und der größten Konzentration an Restaurants und Bars. Hundesitter gehören ebenso zum Alltagsbild wie Grafits und leckeres Essen.

Hunde-Sitter in Buenos Aires

Hunde-Sitter in Buenos Aires

Am Abend trafen wir Patrick und Lasia zum Essen. Ein dt. Paar, dass hier seit kurze Zeit lebt und arbeitet. Lasia arbeitet bei der dt. Botschaft. Leider konnten wir nicht alle offiziellen Einladungen wie z.B. Feierlichkeiten zum Jahrestag des Mauerfalls, dem 5K Charity-Lauf und ein klassisches Konzert unterbringen. Daher „nur“ ein Abendessen. Nächstes Mal müssen wir uns besser vorbereiten auf die vielen Angebote. Aber wir bedanken uns herzlich für die Einladungen.

Das Essen im „Las Cholas“ war hervorragend und das Steak so groß, dass es für zwei gereicht hätte. Das hatte auch die Kellnerin gedacht, aber Denise bestellte trotzdem das große. Es war ein toller Abend.

Wir besuchten Las Canitas noch einmal und hatten das Vergnügen die Einweihung einer neuen Kneipenstraße (Calle Baez), unter Beisein des Bürgermeisters von Buenos Aires, zu erleben. Viele Fotografen, junge und gutangezogene Menschen und ein DJ Trio unterstrichen das Abendprogramm. Wir bestellten stilecht das Nationalgetränk – Fernett mit Cola – und hätten diesen bitteren Cocktail am liebste in den nächsten Blumentopf gekippt. Das hippe Publikum brachte richtig Leben in die Straße und bei tropischen Temperaturen kann man das Treiben in der Straße am besten in den Straßencafes genießen. Im El Primo gab es zum Abschluss des Abends noch einen schönen Malbeck und ein saftiges Steak, frisch vom Grill.

Der ideale Platz bei Tag, dank seiner ruhigen Straße, und der perfekte Platz am Abend, dank des quirligen Nachtlebens.

Fazit: Buenos Aires ist eine sehr tolle Stadt. Wir sind immer noch überwältigt von der Vielfältigkeit an Freizeitangeboten.